4 verblüffende Marketing-Anekdoten

Heute ist Buß- und Bettag und da ich zur Zeit in Sachsen lebe, habe ich heute frei. Tolle Sache. Nur was macht man als konfessionsloser Student an einem solchen Feiertag? Richtig, man ist fleißig und liest ein paar Seiten im Buch seines Professors: “Interkulturelles Marketing”. Da ich den heutigen Feiertag auch als solchen ernst nehme, wollte ich heute gar nicht bloggen. Doch nun, nachdem ich im oben genannten Buch so weit fortgeschritten bin, möchte ich euch gern an ein paar Marketing-Anekdoten teilhaben lassen. Achtung Off-Topic!

Was Blockbuster nicht beachtet hatte

2 Jahre lang versuchte die große amerikanische Videoverleih-Kette den deutschen Markt zu erobern, aber am Ende ohne Erfolg.

Was war der Grund?

Die Manager hatten nicht bedacht, dass in Deutschland ein Drittel des Umsatzes mit pornografischen Videos erzielt wird – und somit Videotheken ein Ort sind, an dem sich Kinder üblicherweise nicht aufhalten.

Aus diesem Grund gelang es Blockbuster nicht sein familien-orientiertes Image vom amerikanischen Markt nach Deutschland zu transferieren. Zudem hatten die Amerikaner sich hauptsächlich in innerstädtischen Einkaufszentren eingemietet, statt in Wohngebieten, wo man Familien eher erreicht.

Coca-Cola das Kopfschmerzmittel

In der Frühphase von Coca-Cola lautete ein Werbeslogan:

“Ein köstlich erfrischendes und belebendes Getränk mit wohltuender Wirkung bei nervösen Leiden”

Hiermit wollte man eine anspruchsvolle und intellektuelle Zielgruppe gewinnen. Coca-Cola war als stimulierendes Mittel gedacht, dass die geistigen Anstrengungen und den Stress des Alltags besser bewältigen lässt. Außerdem sollte es gegen Kopfschmerzen helfen.

Die große Wende

Der große Erfolg des berühmten Getränks kam aber erst, als der Besitzer von Pambertons Drugstore zufällig entdeckt hat, dass das Coca-Cola Konzentrat wesentlich besser in Verbindung mit Soda schmeckt, als mit einfachem Leitungswasser.

Wie Italien zu seiner Sprache kam

1891, drei Jahrzehnte nachdem Italien als Einheitsstaat geschaffen wurde, gelang einem florentiner Seidenhändler mit einem selbstgeschriebenen Kochbuch ein Geniestreich.

In diesem Kochbuch wurden 790 typische Gerichte aus den verschiedenen Regionen Italiens zusammengefasst. Somit erfand der Autor Pellegrino Artusi nicht nur die eigentlich nicht existente italienische Küche, sondern löste nebenbei auch das Sprachproblem Italiens.

Indem er das gesamte Werk in der toskanischen Mundart verfasste, gab er unwissentlich dem noch jungen Staat das, woran es diesem am meisten mangelte: ein Objekt der Indentifikation und nationalen Identität, sowie eine am Toskanischen orientierte Einheitssprache.

Warum Langnese überall anders heißt

Entscheidend bei der Wahl eines Markennamens ist unter anderem die Phonetik, also Aussprache und Klang. Wer hier nicht beachtet, wie die der Name in den unterschiedlichen Kulturen ausgesprochen wird, sieht sich schnell ein paar Konflikten gegenüber, wie es das folgende Beispiel zeigt:

Handschuhe ohne Sitze

“Der Besucher eines Einkaufszentrums in Chemnitz hatte sich ein paar Handschuhe ausgesucht und wollte diese an der Kasse bezahlen. Die Verkäuferin wies ihn darauf hin, dass die Wahre “ohne Sitze” sei. Etwas verwirrt entschied sich der Kunde, diese unverständliche Bemerkung zu ignorieren, bezahlte die Handschuhe und verließ das Einkaufszentrum. Zu Hause angekommen, las er die Angaben auf der Verpackung genauer und verstand, was die Verkäuferin gemeint hatte: Er hatte Handschuhe erstanden, die nur in einer Größe hergestellt werden (\’one size\’).”

Um solche Verwirrungen zu umgehen, nennt sich Langnese in vielen Ländern anders:

  • Australien: Streets
  • Dänemark: Frisko
  • England, Malediven: Wall\’s
  • Frankreich: Miko
  • Griechenland, Türkei: Algida
  • Irland: HB
  • Österreich, Ungarn: Eskimo
  • Schweden: GB Glace
  • Schweiz: Lusso Eldorado
  • Spanien: Frigo
  • Südafrika: Ola
  • USA: Good Humor
  • Venezuela: Tio Rico

Lustige kleine Geschichten, wie ich finde. Dieses Buch kann ich wirklich jedem empfehlen: Interkulturelles Marketing von Müller, S. & Gelbrich, K. (Verlag: Vahlen).


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Kommentare


  1. mumie99
    19. November 2008

    Sehr nette Geschichten, auch wenn ich den Zusammenhang zwischen Handschuhen und Langnese erst nicht geblickt habe ;)

    mumie99s zuletzt geschriebener Artikel: Neue 4für3 DVD-Aktion



  2. Tream
    19. November 2008

    Finde ich leider eher weniger interessant…

    Treams zuletzt geschriebener Artikel: Wenn ein Bauer Amok läuft!



  3. Dr. Satori
    19. November 2008

    Schöner, interessanter Artikel - nur, aus welchem Grund nimmt ein konfessionsloser Student diesen evangelischen Feiertag ernst? Sollte eine Haltungsänderung gegenüber Gott bei unserem Geldkrieger erfolgt sein?

    Das sollte dringend hier und jetzt geklärt werden!

    Es ist verwunderlich, dass ich noch nicht von meinen CashBlog und MoneyBlogfreunden angegriffen wurde – sehr verwunderlich. Denn auf meiner Seite ist plötzlich Werbung vorzufinden – zwar in homöopathischen Dosen, aber für einen erklärten Blog-Werbegegner wie mich, ist dies quasi eine Wandlung vom Paulus zum Saulus. – Möchte man meinen, die Wahrheit ist (wie üblich) woanders zu finden, nämlich bei meiner 15-jährigen Tochter, welche den ungeheuren Antrag stellte, dass sie monatlich mehr Kohle zur Verfügung gestellt bekommen wolle.

    300 Euro scheinen dieser aufmüpfigen Schnepfe nicht zu genügen! Irgendwie schaffte sie es bis dato dennoch immer, ihren kleinen, hübschen Dickkopf durchzusetzen, aber diesmal habe ich sie reingelegt.

    Kam sie doch tatsächlich auf die verwegene Idee, auf meiner “Giftspritzer-Internetpräsenz” Werbescheiße platzieren zu wollen, woraufhin ich meinte: “Absolut ausgeschlossen, zumal ich erst der ganzen MoneyBlog-Szene ordentlich einen vor den Latz geballert hatte und mit Werbeimplementierung dann als der unglaubwürdigste Mensch in der ganzen Blogger-Szene dastehen würde!”

    Sie erwiderte: “Na und, war das schonmal anders???”

    Der Sturm aus meiner Takelage war mit dieser frechen, unflätigen und vor allem unzutreffenden Bemerkung mit sofortiger Wirkung verschwunden.

    “Na warte”, dachte ich mir, “dir werde ich es zeigen”, und willigte ein, in der Gewissheit, dass sie sich ein Eigentor schießen wird. Wir setzten uns zusammen und ich erklärte ihr, an welchen Stellen ich auf keinen Fall Werbung haben möchte und welche Werbung in Frage kommt. Einigung erfolgte, Sektflasche wurde geöffnet.

    Vertraglich wurde festgehalten, dass die Werbeeinnahmen ausschließlich ihr zustünden, sie aber für die nächsten 12 Monate keinen Antrag in Sachen “Taschengelderhöhung” stellen dürfe.

    Wenn ich mir die momentanen Umsätze in Sachen “Google-AdSense” anschaue, denke ich mir, dass sie besser mittels Quengelei standhaft geblieben wäre, denn nach ungefähr 2 Tagen wäre ich wegen “Überdrüssigkeit in Sachen Taschengelddiskussion” weich geworden und hätte ihr monatlich 350 Euro zugestanden.

    Sie hat auf den falschen Gaul gesetzt - davon bin ich überzeugt, denn ihre gestrigen Google-AdSense Einnahmen lagen bei genau einem Cent, welcher auch noch dadurch generiert wurde, dass ich auf ein beklopptes Werbebanner klickte. Ein Cent bei täglich cirka 3.500 realen Besuchern. Hmpffff….

    Gruß in den Osten, schönen Feiertag.
    Dr. Satori.
     
     
     



  4. Suchmaschinen Optimus Prime
    19. November 2008

    @Satori: Wayne?

    Suchmaschinen Optimus Primes zuletzt geschriebener Artikel: “Black Hat SEO”-Artikel von PC Welt



  5. Furzblog
    19. November 2008

    Huch, wo ist der Link zum Amazon-Affiliate-Programm? Wirst du langsam alt und senil???



  6. Stefan Johne
    19. November 2008

    @Furzblog
    Wer brauch schon Affiliate Provisionen :D . Also die Beispiele sind zwar interessant aber am Ende doch eher gähn ^.^…

    Stefan Johnes zuletzt geschriebener Artikel: Werbeanzeigen auf Google (AdWords) – wirkungslos?



  7. Sven aus Chongqing / China...
    19. November 2008

    @ Stefan, verkauft David noch dein Buch oder nicht? Da kommt doch, wenn ich es in einem deiner Kommentare gelesen habe, glaube da ging es um die Blogeinnahmen, scheinbar einiges rum ;-)
    Den Artikel hab ich übrigens, der sich täglich, in seiner Funktion als konfessionsloser (bin ausgetreten) Barlude mit interkulturellem Marketing beschäftigt auch nicht ganz verstanden ;-)

    Das kann aber auch daran liegen das es hier gerade 1.30Uhr ist und wohl der tägliche Sturm auf Geldkrieg.de abgeebnet ist. Ich kann nämlich meistens die Artikel nicht aufmachen. Jung, kauf dir nen anständigen Webspace. Das war auch die Qintessenz meines vorherigen Kommentars, bei dem ich erst mal ne halbe Stunde wartete um dann, nach 5 Minuten Kommentar schreiben, zu sehen das die Seite nicht geladen wird. Nicht sehr befriedigend… Das ist nämlich das Ziel allen Marketings, etwas zu verkaufen ;-)
    Beste Grüße aus Chongqing,
    Sven
     
     
     



  8. DavidG
    19. November 2008

    So, die Kleine im Bett…Zeit ein paar Kommentare zu beantworten…

    @Dr. Satori: auweia…hast du dich also auch auf die dunkle Seite der Macht begeben…naja, mit seinen Kindern lässt sich eigentlich alles begründen…gut, dass meine Tochter erst 1 1/2 Jahr alt ist…hab ich also noch ein halbes Jahr Zeit, bis sie Taschengeld sagen kann…

    @Furzblog: da kann man gut meinen heutigen Gemütszustand erkennen…ich war sowas von motivationslos, dass ich doch glatt vergessen habe einen Affiliate-Link zu platzieren…

    @Stefan: interessant aber gähn…naja solange sie interessant waren ;-)

    @Sven: dass die Ladezeiten so unerträglich sind, kann ich kaum glauben…schließlich ist mein Webspaceanbieter für seine Geschwindigkeit bekannt…das muss wohl noch einen anderen Grund haben, warum die Probleme bei dir so krass auftreten…

    So, nun den Beamer aufgebaut, nen Bierchen aus den Kühlschrank genommen und den Abend ganz in Ruhe ausklingen lassen…morgen gehts dann wieder von mehr Motivation an die Arbeit…wünsche allen einen schönen Abend.



  9. Dr. Satori
    19. November 2008

    Hmmm, heute hat das kleine Biest schon 1,03 Euro eingenommen… – allerdings nicht mit dem Google-Adsense-Kram…

    Dr. Satoris zuletzt geschriebener Artikel: Lutz Heilmann schließt nach WikiPedia nun die Grundrechte



  10. Doe
    20. November 2008

    Naja, ganz so Offtopic ist das Thema ja nun auch nicht. Man muss halt im Business überall schauen, aufpassen und richtig handeln..

    Does zuletzt geschriebener Artikel: Qimonda Rettung !?



  11. Furzblog
    20. November 2008

    Und nun setzt du nicht mal nachträglich einen Amazon-Link; schäm dich!!!!

    Furzblogs zuletzt geschriebener Artikel: Furzen international: Holland



  12. Sven - Chongqing / China
    20. November 2008

    Moin David,
    habe, selbst, nichts bei HostEurope, aber es schon für andere Projekte an Freunde empfohlen, da scheinbar das Preis / Leistungsverhältnis stimmt. Gerade lädt das Blog sehr flott, aber immer noch langsamer als unseres oder Spiegle Online.
    Keine Ahnung woran es liegt, an unserer Internetverbindung oder der berühmten Firewall aber sicherlich nicht, da ich ja wie gesagt andere Angebote ohne Probleme aufrufen kann.
    Viel Erfolg noch und eine schöne Restwoche,
    Sven

    Sven – Chongqing / Chinas zuletzt geschriebener Artikel: Geld überweisen in China…



  13. Furzblog
    20. November 2008

    Buß- und Bettag als Feiertag? Das gibt`s auch nur noch in Sachsen! Na ja, ihr habt ja bei der Pisa-Studie so gut abgeschnitten, da tut ein Tag Pause auch mal gut;)



  14. Der Softwareentwickler Blog
    20. November 2008

    @Furzblog: Genau das gleich hab ich auch gerade gedacht :D

    @DavidG: Nette kleine Geschichten, und Hintergründe, die man normalerweise nicht kennt! Allerdings frage ich mich warum Langnese in fast jedem Land anders heißt. Hätte da nicht ein Alternative-Name genügt?

    Der Softwareentwickler Blogs zuletzt geschriebener Artikel: Erfolgreich Support anbieten – Teil 1



  15. DonSanchez
    20. November 2008

    Naja, “ohne Sitze” ist schon eine knallharte Ignoranz der englischen Sprache. Aber im Großen und Ganzen ein toller Artikel!

    DonSanchezs zuletzt geschriebener Artikel: Obama – der UFO-freundliche Präsident?



  16. Sirko
    22. November 2008

    Was man so alles dazu lernen kann auf Deinem Blog! :-) Kleine Geschichten aus der Welt des Marketings!

    Sirkos zuletzt geschriebener Artikel: kostenloses CSS- Buch nur noch 14 Tage!



  17. pell
    23. November 2008

    Was ich mich auch oft frage ist, wieso das köstliche Vegemite nie in Europa, Asien, Afrika und den Staaten eingeführt werden konnte. Die Australier sind uns kulinarisch somit einen weiten Schritt voraus.

    pells zuletzt geschriebener Artikel: Heute vor ein paar Jahren..



  18. Steffen
    23. November 2008

    Schöne Anekdoten danke dafür :) besonders gefällt mir “ohne Sitze”… auch wenn ich als Unternehmer ungerne solche “Probleme” wie Langnese hätte, ist doch sicher sehr mühsam



  19. Daniel
    24. November 2008

    Als gebürtiger Sachse weiß ich natürlich, wie man den Feiertag begehen kann: irgendwohin fahren, wo kein Feiertag ist (ist ja nicht schwer) und mal so richtig schön ausspannen. Deine Anekdoten sind richtig gut. Zu Langnese fällt mir noch ein, dass man den Namen in Asien auch als “lange Nase” übersetzen kann, was dort ein Schimpfwort für Europäer darstellt. 


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